Die Tafeln der Region

Altes Brot ist nicht hart – kein Brot ist hart.

Für manche Menschen ist ein festes Mahl schon ein Festmahl.
Bei dem Thema Armut denken die meisten Menschen nicht als erstes an Bayern oder Deutschland – leben wir doch in einer der reichsten Nationen der Welt. Und doch gibt es auch hier bei uns Mitmenschen, die in Armut leben oder davon bedroht sind. In der Regel handelt es sich dabei nicht um existenzielle Armut – also eine Armut, bei der das Leben unmittelbar in Gefahr ist. Dennoch leben die Betroffenen in Deutschland im Vergleich zur übrigen Bevölkerung mit erheblichen Einschränkungen. Für den Kauf von Lebensmitteln bleiben ihnen meist nur wenige Euro pro Tag. Frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Milchprodukte werden zu Luxusgütern, die sich finanziell benachteiligte Menschen nur selten leisten können. Die Tafeln in Deutschland setzen sich dafür ein, die Folgen der Armut in einem Land des Überflusses etwas zu lindern – und den Betroffenen den Alltag etwas zu erleichtern.

…zum Beispiel in Feuchtwangen
In einer Altstadtstraße von Feuchtwangen konnte man ihren Eingang fast übersehen – ein eher unscheinbares Haus mit Ladengeschäft beherbergt jeden Donnerstag die Tafel für Feuchtwangen. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sind schon Stunden vorher damit beschäftigt, qualitativ einwandfreie, überschüssige Lebensmittel bei diversen Abgabestellen zu sammeln. Diese werden dann an Menschen verteilt, die in eine Notlage geraten sind. So wird eine Brücke gebaut zwischen Überfluss und Knappheit. Die Feuchtwanger Tafel hat seit 2005 ihre Tore geöffnet und manche Helfer*innen sind schon seit Beginn dabei.

Heute sind sechs muntere Damen mit Schürzen im Tafel-Look dabei, die Waren zu sichten, zu sortieren und dann in die Regale und in die Kühlschränke einzuräumen oder auf der Theke aufzubauen. Sie haben einen guten Blick für eine ansprechende Präsentation der Waren; auch Blumensträuße warten auf Kundschaft – ein wunderbarer Tante-Emma-Laden-Charme liegt über den Räumlichkeiten. Die Feuchtwanger Tafel bietet eine breite Auswahl an Waren: Obst und Gemüse, Molkereiprodukte und Wurstwaren, Öl, Nudeln und Reis und so Vieles mehr. Auch Produkte für Menschen mit Unverträglichkeiten sind im Angebot. Das äußerst angenehme Miteinander und die menschliche Komponente sind sofort zu spüren; hier wird Hand in Hand für eine gute Sache gearbeitet und so manche Freundschaften sind aus diesem wichtigen ehrenamtlichen Engagement entstanden.

Traditionell wird ein gemeinsamer Kaffee getrunken, bevor die Ladentür um Punkt 14 Uhr aufgeschlossen wird.

Gute zwei Stunden…
herrscht Hochbetrieb erst dann wird es mit Ladenschluss wieder ruhiger. Allerdings ist der Dienst für die freiwilligen Helferinnen noch nicht zu Ende.
Jetzt muss wieder verpackt, weggeräumt und geordnet werden.
Was fehlt? Woher konnte es bezogen werden? Nach dem Tafeltag ist vor dem Tafeltag
…Gemeinsam stark für Vielfalt & Mitmenschlichkeit. Zusammen etwas bewegen.

Dann geht es erst einmal rund…
…und es gibt viel zu tun. Ungefähr 30 bis 40 Haushalte versorgt die Tafel Feuchtwangen jede Woche – und es dürften sogar noch ein paar mehr sein. Leider wird noch nicht jeder Haushalt, der Unterstützung verdient hätte, von der Tafel erreicht. ,,Oft ist es ein Schamgefühl, das Menschen davon abhält, Hilfe anzunehmen“, sagt Gudrun Naser, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Feuchtwangen und damit auch Chefin der hiesigen Tafel. ,,Seit wir aber die Tafel in Feucht-wangen als Anlaufstelle und Treffpunkt haben, können wir einem Großteil der Kunden in anderen Bereichen noch ein Stück weiterhelfen, sei es bei Anträgen zu Wohngeld, in der Suchtberatung und bei Fragen zu Erziehungsthemen“, berichtet uns Gudrun Naser weiter.
Alle Mitarbeiter*innen bemühen sich sehr, die Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Besonders nachgefragt werden heute Körperpflegeartikel wie Deo oder Shampoo und geschnittenes Brot.
Ein Kurs in Lebensmittelkunde ist ganz nebenbei erhältlich. ,,Durch die wechselnde Gemüseauswahl weiß ich jetzt auch, wie Romanesco aussieht“, erzählt eine Helferin lachend. ,,Die Verständigung mit unseren Kunden ist sehr einfallsreich. Ein Mann hat einmal wild die Arme auf und ab bewegt – ein bisschen hat es gedauert, dann war klar, er will Geflügelwurst“

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